Logo Rocketeer

StrategY & Leadership

Veränderung statt Stillstand

Bild: Universität Augsburg/Daniel Biskup
Universitätsmedizin: Für Professorin Dr. Martina Kadmon, Dekanin der Medizinischen Fakultät Augsburg, ist strategische Führung mehr als Strukturplanung. Sie ist auch Integration. Es geht darum, Forschung, Lehre und Patientenversorgung als untrennbare Einheit zu gestalten – und zukunftsfähig zu halten, wie sie selbst im Folgenden schildert.

„Strategie in der Universitätsmedizin ist nie nur ein Konzept. Sie ist ein Versprechen, weil wir Forschung, Lehre und Versorgung nicht isoliert ­betrachten dürfen. Und eine Verpflichtung, weil jede dieser Säulen ihren eigenen Takt hat. Führung heißt hier: integrieren statt trennen.

Als erste Frau an der Spitze des Medizinischen Fakultätentages verstehe ich meine Wahl als ­Signal für strukturellen Wandel. Der MFT steht für die gemeinsame Verantwortung der ­medizinischen Fakultäten in Deutschland für Forschung und Lehre an der Schnittstelle zu einer immer komplexer werdenden Patientenversorgung. Unser Ziel ist es, die Universitätsmedizin als Einheit weiterzuentwickeln – wissenschaftlich exzellent, organisatorisch tragfähig und gesellschaftlich verantwortungsvoll.

Gute Strategie zeigt sich nicht in Leitbildern, sondern im Alltag. Ein zentrales Handlungsfeld ist die Weiterentwicklung des Medizinstudiums: ­kompetenzorientierte Curricula, hohe Qualität im praktischen Jahr und die gezielte Qualifizierung von Lehrenden. Ausbildung entscheidet darüber, wie verantwortungsvoll und reflektiert die nächste Generation ärztlicher Führungskräfte handeln kann und wird.

Ebenso wichtig ist die strukturelle Stärkung ­klinischer Forschung. Forschung darf nicht vom Zufall freier Zeitfenster abhängen. Wenn wir die Innovationskraft sichern wollen, müssen ­Forschungszeiten verlässlich verankert und klinische Studienbedingungen verbessert werden. Es gilt, Prioritäten klar zu benennen und Rahmen­bedingungen so zu gestalten, dass sie im Versorgungsalltag bestehen. Es gilt, dem motivierten und kreativen Nachwuchs die attraktiven Rahmenbedingungen anzubieten.

Stichwort Diversität: Rund zwei Drittel der
Medizinstudierenden sind Frauen. Dennoch sind Frauen in Führungspositionen in der Hochschulmedizin deutlich unterrepräsentiert, wie der ­Deutsche Ärztinnenbund seit Jahren betont. Diese Diskrepanz ist strukturell bedingt. Wir brauchen daher transparente Karrierewege, verlässliche ­Berufungsverfahren und Modelle, die Führungsverantwortung mit unterschiedlichen Lebens­entwürfen vereinbar machen.

Mein Verständnis von Leadership ist klar:
Strategie ist keine Episode, sondern Haltung. Sie zeigt sich in konsequenter Strukturarbeit, in ­belastbaren Partnerschaften und im Mut, Entscheidungen zu treffen. Wenn es gelingt, die ­Einheit von Forschung, Lehre und Versorgung nicht nur zu betonen, sondern strukturell zu ­sichern, dann wird Universitätsmedizin auch in Zukunft weiter ihre besondere Verantwortung ­erfüllen können.“

 

Vita

Prof. Dr. Martina Kadmon ist seit mehr als 25 Jahren Fachärztin für Allgemeinchirurgie, habilitierte in ­Heidelberg im Fach Chirurgie und war vor ihrer Zeit in ­Augsburg unter anderem an der Universität ­Oldenburg tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte ­liegen in der medizinischen Aus- und Weiterbildung sowie klinisch-wissenschaftlich auf dem Gebiet der erblichen Darmkrebserkrankungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Lies auch: