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Zukunftsmacherinnen

Karriere passiert im Alltag, nicht im Leitbild

Starke Frauen prägen mit Verantwortung, Innovation und Unternehmergeist die Zukunft des Wirtschaftsraums Augsburg.

In Unternehmen entscheidet sich Chancengleichheit in kleinen und wirtschaftlich hochrelevanten Routinen aus dem Alltag: Wer ­bekommt Sichtbarkeit? Wem traut man den nächsten Schritt zu? Wer darf ausprobieren und wer muss immer schon perfekt sein?

Diese Entscheidungen wirken. Auf Innovationskraft, Unternehmenskultur und darauf, wer ­Zukunft gestaltet. Female Empowerment ist deshalb kein Symbolthema, sondern Teil moderner Führung und einer starken Region. Im ­Wirtschaftsraum Augsburg übernehmen ­Frauen Verantwortung: in Wissenschaft, Wirtschaft, Sozialunternehmertum, Kreativszene und Technologie. Sie gestalten Organisationen, treiben Transformation voran und öffnen Räume für neue Perspektiven. Nicht laut, sondern wirksam. Nicht als ­Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit.

Was sie verbindet, ist eine Haltung: sichtbar sein, Verantwortung tragen, andere mitziehen. Der Wirtschaftsraum Augsburg zeichnet sich ­unter anderem durch die Bandbreite an weiblichen Führungskräften und Fachexpertinnen aus.

Im Folgenden erzählen wir diese ­Geschichten: von Mut, Klarheit und vielen kleinen Entscheidungen, die langfristig Großes bewegen. Denn Zukunft ­entsteht dort, wo ­Potenzial Raum bekommt.


Dr. Marietta Menner

Wissenschaftliche Geschäftsführerin MINT-Forschungstransfer der Universität Augsburg

Von der studentischen Hilfskraft zur wissenschaftlichen Geschäftsführerin und von den Geistes­wissenschaften in die Naturwissenschaften: Dr. Marietta Menner hat auf ihrem bisherigen beruflichen Weg spannende Etappen gewählt. Besonders am Herzen liegt ihr der Forschungstransfer, für welchen ihr interdisziplinärer beruflicher Kontext von großem Vorteil ist. Für das Brückenschlagen zwischen Forschung und Gesellschaft zeichnete sie die Stadt Augsburg in der Kategorie „Zukunftspionierin“ mit dem „Augusta – Wirtschaftspreis für Frauen“ 2025 aus.

Siehst du dich selbst als Vorbild oder Pionierin?

Beides trifft zu: Als Geistes­wissen­schaftlerin in den Naturwissenschaften würde ich mich auf jeden Fall als Pionierin bezeichnen. Interdisziplinäres Forschen und Arbeiten nimmt in der aktuellen Zeit einen immer höheren Stellenwert ein, da braucht es Vorbilder, die diese Zusammenarbeit (vor)leben. Mich inspirieren dabei Frauen, die Teams mit ihrer eigenen Motivation begeistern, mitnehmen und Impulse zur individuellen ­Weiterentwicklung geben können.

Welche Entwicklungen wünschst du dir für das Bild von Frauen im Unternehmertum?

Die aktuelle KI-Debatte bietet eine in dem Ausmaß noch nie dagewesene Möglichkeit, veraltete Strukturen und Rollenbilder zu hinterfragen und neu zu denken. Wünschenswert ist, dass diese Technologie-Debatte genutzt wird, um Frauen systematisch zu empowern – etwa durch fairere Finanzierungsentscheidungen und agile Settings, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.

Was kannst du Frauen auf ihrem Weg zu mehr Geltung mitgeben?

Für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse einzustehen. Gerade wir Frauen sind häufig sehr kompromissbereit und lösungsorientiert und merken oft gar nicht, wie sehr wir uns von unseren eigenen Zielen entfernen, um es für andere „bequem“ zu machen. Gute Lösungen müssen sich häufig auf viele Schultern verteilen, da müssen alle mit-tragen und getragen werden.


Michaela Schuster

Geschäftsführerin Team 23

Ihr Weg ist ein bunter Mix aus Stationen in der Versicherungswirtschaft, Agenturen, Buchhaltung, Teamkultur, Festivalleitung und ­Geschäftsführung. Begleitet wurde sie von Seminaren zu Selbstreflexion und Vertrieb. Diese vielfältigen Erfahrungen zeigen, dass man nicht perfekt vorbereitet sein muss, um am richtigen Platz anzukommen. Für ihre bisherigen Leistungen erhielt sie den Augusta-Wirtschaftspreis für Frauen 2025 als „Managerin des Jahres“.

Siehst du dich als Vorbild oder Pionierin?

Ich will ein Mut-Bild sein und zeigen, dass man sichtbar sein, die Stimme nutzen und den eigenen Weg gehen darf. Mich inspirieren Frauen, die vorangehen, Neues wagen und sich trauen, ihre Meinung zu ändern – egal, ob im Sport, in der Wirtschaft oder im Alltag.

Was gibst du Kolleg:innen auf ihrem Weg zu mehr Geltung mit?

Habt keine Sorge vor ­Reaktionen! Wenn Menschen zustimmen, widersprechen oder laut werden, dann bewegt man etwas. Still wird es meist nur, wenn man sich nicht mehr zeigt. Deshalb darf man sich über Widerstand sogar ein ­wenig freuen. Klappt zwar nicht immer sofort, aber auch daran wächst man.

Siehst du das Bild von Frauen im Unternehmertum im Wandel?

Ja, gerade in Zeiten von Veränderung entstehen neue Führungsbilder. Führung zählt für mich über Wirkung, nicht Lautstärke. Ich wünsche mir, dass es nicht mehr darum geht, als Frau zu beweisen, dass man etwas kann, sondern dass die richtige Entscheidung zählt. Kommentare wie „Toll, dass du das als Frau machst“ sollten endgültig verschwinden. Entscheidend ist, dass es die richtige Entscheidung ist – dann könnten wir unsere Energie endlich in Gestaltung statt in Beweisführung stecken.


Bianka Groenewolt

Gründerin Werkraum Augsburg & Werkraum Landsberg

Nach ihrem BWL-Studium startete ­Bianka in einem gut bezahlten ­Konzernjob, der sie jedoch zunehmend frustrierte – Excel-Listen inklusive. Ein Jobwechsel hätte daran nichts geändert, und an Gründen dachte sie damals noch nicht. Dazu brauchte sie noch bis 2015. Ein entscheidender Wendepunkt kam 2018 mit der Trennung von ihrem Mitgesellschafter. Sie erkannte, dass sie keinen Partner brauchte, um bessere Entscheidungen zu treffen: Alleine konnte sie klarer, schneller und in ihrem eigenen Tempo handeln. 2025 wurde sie mit dem Augusta Wirtschaftspreis als „Social Entrepreneurin des Jahres“ ausgezeichnet.

Siehst du dich selbst als Vorbild oder Pionierin?

Ja – und mir ist wichtig zu zeigen, dass es jenseits des ­klassischen 9-to-5-Jobs viele Wege gibt, sich zu verwirklichen, etwas zu bewegen und Arbeit mit Freiheit zu verbinden. Meine Geschichte zeigt auch, dass man sich jederzeit neu erfinden – und sogar als Alleinerziehende:r mit einem gemeinnützigen Unternehmen seine Familie gut ernähren kann.

Welche Herausforderungen musstest du auf dem Weg zur Führungskraft meistern?

Ich hätte vor ein paar Jahren fast mein Unternehmen verloren, weil ich meine Führungsrolle nicht wirklich gelebt hatte. Heute weiß ich: Führungskraft ist man nicht, weil man das auf der Visitenkarte stehen hat, sondern weil man es lebt. Mit sehr viel Kommunikation, Klarheit und Empathie. Ohne diese Erfahrung wäre der Werkraum Augsburg heute nicht so erfolgreich und den Werkraum in Landsberg gäbe es nicht.

Was gibst du Frauen mit auf ihrem Weg zu mehr ­Geltung?

Viele sagen, Unternehmertum sei riskant. Aber ist es nicht das größere Risiko, ein Leben lang fremdbestimmt zu arbeiten – ohne echte Freiheit bei Zeit, Ort und Aufgaben? Für mich ist Arbeit das gleiche wie Freizeit, nur dass ich dafür bezahlt werde. So und nun kann ich mir aussuchen, wie und womit ich diese Zeit verbringe – und ob mich ein Arbeitgeber bezahlt oder meine eigenen Kunden.

 

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