Logo Rocketeer

Kaffeepause mit …

David Wojcik, Designer und Co-Founder Boxbote, Innoit und Kroot

David Wojcik
David Wojcik
Kreativität pur: Ein Gespräch mit Designtalent David Wojcik

David Wojcik ist Mitgründer des Lieferdienstes Boxbote, der Kreativagentur Innoit und seit neuestem des Karrieretools kroot. Er hat an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd Produktdesign studiert und für sein Design-Portfolio unter anderem den German Design Award gewonnen. Mit dem Produkt „Bloop“, einem medizinischen Tool, das die Wiederverwendung von Blut möglich macht, wurde er in die Ausstellung des National Science Museum aufgenommen.

 

Wie trinkst du deinen Kaffee?

Ganz klassisch, mit einem Schuss Milch

 

Wer oder was inspiriert dich?

Letztendlich sind es verschiedene Ideen. Ich schaue mir gerne unterschiedliche Sachen an: Ob das Neuerungen im medizinischen Bereich, Designs, ein Produkt oder irgendwelche Start-ups sind. Also grundsätzlich Ideen, die Menschen haben. Das ist das, was mich inspiriert und auch zum Nachdenken anregt.

Konkret fällt mir im Bereich Design Marc Newson ein, ein australischer Designer, der in erster Linie Möbel macht. Da inspiriert mich die Formsprache sehr. Oder auch zum Beispiel Virgil Abloh, der Designer von Off-White, der sehr viel mit verschiedenen Marken wie Ikea oder Mercedes kooperiert. Er hat beispielsweise einen Mercedes G-Klasse redesigned, komplett überzogen, das machte überhaupt keinen Sinn, aber es war so speziell, dass es mich dann doch irgendwie begeistert, weil es halt anders ist.

 

Was hilft dir dabei, kreativ zu bleiben?

Im Endeffekt ist der größte Kreativkiller die Zeit. Die größte Batterie, die einem Kreativität geben kann ist Entspannung. An nichts zu denken, keinen Druck zu haben und keinen Zwang zu spüren – also eigentlich nichts zu machen. Da entstehen Ideen, die super kreativ sind und in alle möglichen Richtungen gehen können.

Auf der anderen Seite natürlich der Spaß. Je mehr etwas Spaß macht, desto besser werden auch die Ideen.

 

Hast du überhaupt noch Zeit zum Nichtstun?

Auch wenn wir mittlerweile so viel machen und ich überall involviert bin, versuche ich trotzdem, mir ein paar Stunden am Tag rauszunehmen und bewusst nichts zu tun, beziehungsweise etwas zu machen, das eigentlich total irrelevant ist. Einfach zu entspannen. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr bemerkt, dass ich das auch brauche, um dann besser zu arbeiten und inspirierter zu sein.

 

Du hast noch während des Studiums Boxbote mitgegründet. Wie war es für dich, so früh schon selbstständig zu sein?

Wir wussten damals selber gar nicht, wo die Reise hingeht. Wir vier Gründer haben uns damals hingesetzt und gesagt okay, wir wollen irgendwas machen und Start-up wäre cool. Wenn das dann noch funktioniert, umso besser. Am Anfang war es wie ein weiteres Neben-Projekt, das einfach Spaß macht. Dann hat sich das so entwickelt, dass wir in die Richtung Boybote, Deliveries, Einzelhandel gegangen sind. Wir hatten von Anfang an eine große Vision für Boxbote, die mittlerweile auch wahr geworden ist. Aber Anfangs hat das noch gar nicht funktioniert, die Einzelhändler wollten nichts von uns wissen und deshalb haben wir auch erstmal mit Restaurants gestartet. Wir mussten eine Menge lernen und hatten auch einige Rückschläge. Anfangs haben wir das komplett nebenher gemacht, meistens Abends. Als ich dann aus dem Studium raus bin und die anderen ihre Jobs gekündigt haben, konnten wir Vollzeit anfangen. Es war schon ein dankbares Geschäft, erstmal abends zu starten.

 

Kürzlich ist dein Portfolio mit dem German Design Award ausgezeichnet worden, darunter auch dein Bachelorarbeits-Projekt „Bloop“. Davor wurde dieses bereits im Museum of Science in London ausgestellt. Hast du je überlegt, dich im Bereich Medizintechnik selbstständig zu machen?

Ich habe ja Produktdesign studiert an einer Hochschule, die eigentlich weniger mit „Styling“ zu tun hat, sondern wo es mehr um den Sinn bei der Gestaltung geht. Im besten Fall löst ein Produktdesign ein Problem. Es geht nicht darum, ein Auto noch schicker zu machen, sondern ich verbessere ein Produkt und im besten Fall helfe ich Menschen damit. So war auch mein Ansatz immer. Zu hinterfragen: Kann ich ein Problem durch ein Produkt lösen? Oder vielleicht doch durch einen Service?

Daraus sind dann Projekte wie „Bloop“ entstanden. Dass ich im Medizinbereich gelandet bin ist dem geschuldet, dass ich, wenn ich meine Energie in Produkte stecke, da natürlich den bestmöglichen Nutzen für Menschen herausholen und etwas machen möchte, das wirklich hilft. Im besten Fall vielleicht sogar Menschenleben retten kann. Deshalb habe ich mich viel mit dem Bereich beschäftigt und dann solche Produkte wie „Bloop“ oder „Hebix“ entwickelt. Es war schon immer meine Stärke, Probleme zu erkennen und ein Produkt, einen Service zu entwickeln, der dieses Problem lösen kann.

Ich hätte mir auf jeden Fall auch vorstellen können, mich im Medizinbereich selbstständig zu machen. Es ist leider nie dazu gekommen, weil davor bereits Boxbote und die Agentur da waren. Irgendwann musste ich eben abwägen. Ich hätte mit „Bloop“ beispielsweise schon die Möglichkeit gehabt, das weiter zu verfolgen. Ich hatte da bereits sehr viele Investorengespräche und Unterstützer. Irgendwann kam der Punkt, da hatte ich zwei Dinge angefangen, ich hatte Verantwortung meinen Mitgründern gegenüber und wenn ich da so ein Mammutprojekt wie die Vermarktung von „Bloop“ angegangen wäre, hätte ich bei den anderen Projekten gar nichts mehr machen können. Deswegen habe ich die Medizinprodukte zur Seite gestellt und mich auf das Laufende konzentriert.

Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich in ein paar Jahren – wenn wir so weit sind, dass Boxbote sehr gut funktioniert und wir uns zurückziehen können – mich wieder auf so etwas konzentriere.

 

Boxbote, Innoit und kroot: Würdest du dich als Seriengründer bezeichnen?

Wenn man es rational sieht, bin ich wahrscheinlich ein Seriengründer. Ich würde mich aber nicht als Unternehmer bezeichnen, weil dazu brauchen wir noch ein paar Jahre. Aber ich habe auf jeden Fall vor, noch weitere Dinge zu gründen!

Was ist das Schönste daran, eine neue Idee zu verwirklichen? Und was sind die Schattenseiten?

Die Steps davor machen am Meisten Spaß: Das Problem zu erkennen, die Idee zu haben und dann auch die Lösung dafür zu entwickeln. Da wird man mit kleineren Hürden konfrontiert als später, wenn man das Produkt auf den Markt bringt. Aber wenn es dann tatsächlich funktioniert, ist das natürlich das allerbeste Gefühl. Es ist nur anstrengender und langwieriger. Die Idee zu Boxbote beispielsweise ist in ein paar Monaten entstanden, aber der Weg zum Erfolg dauert eben Jahre.

Es gibt aber natürlich auch Schattenseiten. Man zweifelt an seiner Idee und hinterfragt, ob das jetzt wirklich noch das Wahre ist. Man muss Ausdauer mitbringen. Aber nach jedem Down kommt ein Up und das ist dann wieder sehr schön.

 

Wie nimmst du Augsburg als Standort für Gründer:innen wahr?

Klar, Augsburg ist überschaubar, die Gründerszene ist eher ein Mikrokosmos und man kennt sich untereinander. Ich habe das Gefühl, dass die Stadt Augsburg nach außen zwar behauptet, sie unterstützen Start-ups, aber großartig merkt man davon nichts. Da habe ich eher einen negativen Eindruck – man hat mehr Hürden, als dass man sich auf Unterstützung verlassen könnte.

Klar, Beratungsangebote wie von der IHK sind für Erstgründer:innen nützlich, aber für Erfahrenere ist das nichts. Wenn beispielsweise Eva Weber erzählt, dass sie die Start-up-Szene sehr stark unterstützt, würde ich mir mehr vorstellen.

Wir mussten uns beispielsweise die Agentur aufbauen, damit wir uns die ersten Monate mit Boxbote über Wasser halten konnten. Das Problem war, dass ich keinen Gründerzuschuss beantragen konnte, weil ich aus dem Studium kam und davor nicht gearbeitet hatte. Das war schon ein Ungleichgewicht, ich dachte mir – ich komme aus einer Hochschule, da werden tagtäglich Ideen geboren und man hat trotzdem kein richtiges Fundament für Gründer. Klar, es gibt solche Sachen wie das EXIST Stipendium, aber das funktioniert dann auch wieder nur, wenn alle aus dem Gründerteam aus dem Studium kommen, das war bei uns auch nicht so.

Wenn man in Deutschland mehr Gründer möchte, muss man die Gründer und Start-Ups besser unterstützen, vor allem finanziell. Klar, Tipps sind auch wertvoll, aber ab einem gewissen Punkt reicht das nicht mehr.

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würdest du drauf machen?

Ich denke, da gibt es mehrere Ansätze. Entweder ich mach das total sinnbefreit, dann würde ich einfach schreiben: „DAS NÄCHSTE GROßE COVER“ – designed by David Wojcik. Das wäre die Antwort des extrovertierten Designers.

Was ein bisschen sinnvoller wäre, wäre auf die Umweltverschmutzung hinzuweisen. Wir verfolgen mit Boxbote ja auch einen nachhaltigen Ansatz. Ich würde also die Coverhülle aus alten Plastikfasern herstellen, mit Müllvisualisierungen bedrucken und in Großbuschstaben beschriften: „DAS COVER IST MÜLL“. Und dann natürlich darauf
hinweisen, worum es geht.

Vielleicht würde ich mir aber auch jemanden raussuchen den ich bewundere, wie Elon Musk beispielsweise, und mir als unbekanntem Kerl ein bisschen Aufmerksamkeit verschaffen. Dann würde ich drauf schreiben: „Elon Musk, lass gemeinsam was starten“. Und vielleicht würde er das Sehen, wissen wollen „Was will der Typ?“ und wer weiß, vielleicht würden wir dann ein gemeinsames Projekt
machen. (David lacht)

 

Du willst dich mit David vernetzen? Hier lang 

Lies auch: