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Strategy & Leadership

NEXT-GEN LEADERSHIP

Bilder: Schöffel GmbH
Jakob Schöffel vereint Tradition und Zukunft: Er führt die 222-jährige Marke Schöffel mit frischem Unternehmergeist, Nachhaltigkeit und Innovationskraft. Wie sein modernes Mindset und der Blick für Trends die Mitarbeitenden inspiriert.

Hohe Qualitätsansprüche und eine völlig neue Produktlinie und Zielgruppe: Diese Themen beschäftigen Jakob Schöffel momentan. Keine leichte Aufgabe, vor allem vor dem Hintergrund, dass er selbst erst im Jahr 2025 mit 26 Jahren die Schöffel Gruppe in Schwabmünchen von seinem Vater übernommen hat. Beim Generationenwechsel setzte eines der ältesten familiengeführten Outdoor-Unternehmen der Welt ­bewusst auf einen sauberen Schnitt. Das Ziel: ­Tradition bewahren, gleich­zeitig nachhaltige Innovationen vorantreiben und neue Geschäftsfelder in Outdoor-, Behörden- und Workwear erschließen. Im Interview spricht er ­darüber, wie sich die Übergabe wirklich anfühlt, was sich persönlich für ihn verändert hat und ­welche Pläne er verfolgt.

Du bist mit dem Namen und im Unternehmen aufgewachsen. Was hat dich als Kind und Jugendlicher besonders daran fasziniert?

JAKOB SCHÖFFEL: Zum einen habe ich gesehen, was für einen spannenden Job mein Vater hatte. Zum anderen war ich schon immer natur- und sportbegeistert – da lag das Produkt natürlich nahe. Ich bin mit dem Team groß geworden, war regelmäßig im Unternehmen und habe viele ­Mitarbeitende früh kennengelernt. Dieses Umfeld hat mich geprägt und mir früh gezeigt, dass darin eine besondere Chance liegen könnte.

Gab es diesen einen Moment, in dem du gesagt hast: Jetzt übernehme ich die Geschäftsführung?

Es war eher ein langer Prozess über mehr als 20 Jahre. Ich bin ins Ausland gegangen, habe ­studiert und später in München gearbeitet. Als mein Vater mich fragte, ob ich ins Unternehmen kommen möchte, habe ich mir drei Monate ­Bedenkzeit genommen. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit meiner Motivation auseinandergesetzt. An Neujahr 2023 auf 2024 fiel dann die Entscheidung. Ich startete zunächst in zweiter Reihe, übernahm Schritt für Schritt mehr Verantwortung und habe schließlich zum 1. Februar 2025 die Gesamtverantwortung übernommen.

Wie hast du den Generationenwechsel erlebt?

Als schleichenden Prozess – am Ende jedoch einen bewusst gesetzten Schritt. Mir war es sehr wichtig, im Vorfeld das Unternehmen und mögliche ­Alternativen kennenzulernen. Als wir dann den Übergang nach weniger als einem Jahr vollzogen haben, war das für alle Mitarbeitenden ein klarer Cut. Mein Vater ist heute weitgehend aus dem operativen Geschäft raus und ich habe viele ­Freiheiten. Er wiederum kann seine Freizeit ­genießen (lacht).

Gibt es noch Momente, in denen du deinen Vater um Rat fragst?

Ja, immer wieder. Gerade bei strategischen Fragen tauschen wir uns aus. Ich habe großen Respekt ­davor, wie gut er loslassen kann. Das stelle ich mir nicht leicht vor, wenn man ein Unternehmen jahrzehntelang ­geprägt hat. Er gibt mir die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen – das schätze ich sehr.

Welche Veränderungen treibst du aktuell voran?

Intern steht Modernisierung im Fokus: Kultur, ­Prozesse, IT-Systeme. Extern beschäftigen wir uns stark mit Diversifikation. Das ist eine tiefgreifende Transformation des Unternehmens. Wir kommen ursprünglich aus dem Sport- und Outdoor-­Geschäft und erschließen jetzt mit Schöffel PRO und Schöffel TEC neue Märkte. Ein schnelles Wachstum bedeutet neue Teams, neue Supply Chains und neue Vertriebskanäle. Das ist herausfordernd, aber auch sehr spannend.

Was hat sich bei dir seit der Übernahme am meisten verändert?

Am stärksten hat sich mein Kalender verändert. Er ist deutlich voller geworden und die Themen sind extrem vielfältig. Ich bin täglich mit unterschiedlichsten Herausforderungen konfrontiert. Genau das macht die Rolle aber auch so interessant.

Was bewegt die Branche derzeit am stärksten?

Die Branche beschäftigt vor allem das Thema ­Lieferkettensicherheit. Die Textilindustrie arbeitet seit Jahrzehnten mit komplexen internationalen Strukturen, besonders in Asien. Geopolitische ­Unsicherheiten erschweren die Planungssicherheit massiv. Gleichzeitig verändert sich der Markt: Der Trend geht zu Multi-Use-Produkten. Kundinnen und Kunden nutzen Outdoor-Bekleidung vielseitiger, als wir es früher gedacht haben. Darauf ­müssen wir mit intelligenten, funktionalen Lösungen reagieren.

Langlebigkeit und Nachhaltigkeit werden immer wichtiger. Steht das im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit?

Kurzfristig vielleicht. Aber als Familienunternehmen haben wir keinen Zwang, um jeden Preis zu wachsen. Nachhaltigkeit ist für uns ein gelebter Wert. Langlebigkeit ist aus meiner Sicht der größte Hebel hierfür. Natürlich könnte man Kleidungsstücke fertigen, die schneller kaputtgehen. Aber die entscheidende Frage ist: Kommt der Kunde dann wieder? Gerade in einem so hart umkämpften Markt wie unserem gibt es wenig so starke Verkaufsargumente wie Kundenzufriedenheit. Wenn jemand nach 20 oder 30 Jahren ein Produkt zur Reparatur einschickt, bestätigt uns das in ­unserem Weg.

Was wünschst du dir für die Branche?

Ich wünsche mir, dass Bekleidung wieder einen höheren Stellenwert bekommt. Kleidung ist ein sehr intimes Produkt, wir tragen sie fast 24 Stunden am Tag direkt auf unserer Haut. Gleichzeitig ist durch Fast Fashion die Zahlungsbereitschaft extrem gesunken. Mit mehr Wertschätzung könnten wir noch stärker in Qualität und Nachhaltigkeit investieren. Unsere Branche muss zeigen, wie intelligent und komfortabel moderne Kleidung sein kann. Und erklären, warum ein Zwei-Euro-T-Shirt, das nach zwei Wochen im Müll landet, keinen ­echten Wert hat.

Welchen Tipp würdest du Menschen geben, die über eine Unternehmensnachfolge nachdenken?

Die Entscheidung zu professionalisieren. Sich Zeit nehmen, vielleicht mit einem Coach sprechen und die eigene Motivation ehrlich prüfen. Und es auszuprobieren – mit der Offenheit, dass es auch nicht funktionieren könnte. Am Ende habe ich eins gelernt: Niemand kann einen auf diesen Job vorbereiten. Man kann sich durch Ausbildung und praktische Erfahrung herantasten. Aber wie man mit der Rolle umgeht, ist sehr persönlich. Diese Verantwortung versteht man erst, wenn man sie selbst trägt.

»Niemand kann einen auf diesen Job vorbereiten. Man kann sich durch Ausbildung und praktische Erfahrung herantasten.  Aber wie man mit der Rolle umgeht, ist sehr persönlich. Diese Verantwortung versteht man erst, wenn man sie selbst trägt.«

Jakob Schöffel

 

Bilder: Schöffel GmbH

Teamwork! Schöffel PRO & FCA

Der Workwear-Spezialist Schöffel PRO kooperiert ab sofort für zwei Jahre mit dem FC Augsburg als offizieller Supplier: Schöffel PRO Geschäftsführer Thomas Bräutigam (l.) bei der offiziellen Verkündung mit Pierre Lemmermeyer, Mitglied der Geschäftsleitung beim FC Augsburg, und Tobias Walter, Director of Marketing Schöffel PRO. Im Rahmen der Partnerschaft ist Schöffel PRO im Stadion präsent und unterstützt den Verein bei gemeinsamen Vertriebsaktionen. Zentrale Bereiche wie Facility Management, Ordnungsdienst, Reinigung und Greenkeeping werden mit wetterfester, ergonomischer Arbeitskleidung ausgestattet. Die Kooperation verbindet regionale Nähe, Qualität und Nachhaltigkeit. Schöffel ist das erste ­Unternehmen der Outdoorbekleidungs-Branche, das Arbeitsbekleidung als Marke mit einem eigenständigen Unternehmen positioniert.

 

Bilder: Schöffel GmbH

Vita

Jakob Schöffel übernahm 2025 die Geschäftsführung des Traditionsunternehmens Schöffel in achter Generation. Nach seinem Studium in
St. Gallen führte ihn seine Reise über Lissabon, Sydney und München zurück zu seinen Wurzeln. Der leidenschaftliche Outdoor-Enthusiast und Verfechter nachhaltiger Geschäftsmodelle versteht Fortschritt nicht als „höher, schneller, weiter“, sondern als bewusstes Wachstum. Sein Anspruch: Qualität und langfristige Verantwortung für Mensch und Natur.

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