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Kaffeepause mit …

Dr. Suzanna Randall von „Die Astronautin“

Dr. Suzanna Randall
Dr. Suzanna Randall
Dr. Suzanna Randall ist Astrophysikerin und arbeitet als Forscherin an der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching, doch seit 2016 hat sie einen anspruchsvollen Nebenjob: Sie ist eine der zwei Kandidatinnen, die von der Initiative "Die Astronautin" ausgesucht wurden und trainiert jetzt, um vielleicht die erste deutsche Frau im All zu sein.

„Die Astronautin“ ist eine Stiftung mit einem klaren Ziel: Die erste deutsche Frau in den Weltraum bringen und so Geschichte schreiben. Denn mit den staatlichen Missionen waren bis jetzt nur Männer unterwegs.

Wir haben uns mit Dr. Suzanna Randall darüber unterhalten warum es so wichtig ist eine Frau im All zu haben, wie sie die Mission bis jetzt finanziert haben und warum das Bild der Erde aus dem Weltraum betrachtet nicht nur auf eine Art bedeutend für sie ist.

 

Wie trinken Sie ihren Kaffee?

Kann ich auch Tee trinken? Ich bin ja tatsächlich Halb-Engländerin – mein Vater kommt aus England – und habe dementsprechend ein Faible für Tee. Am liebsten schwarz mit ein bisschen Milch. Aber wenn’s Kaffee sein muss, würde ich Cappuccino trinken!

 

Was motiviert Sie?

Was mich motiviert ist, wenn ich Menschen inspirieren kann – wenn ich das Feedback bekomme, dass ich jemandem vielleicht auch den Horizont ein bisschen erweitert, oder Leute zum nachdenken gebracht habe. Speziell natürlich bei „Die Astronautin“, aber auch so allgemein, in Diskussionen zum Beispiel.

 

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Zurzeit bin ich im Home Office, ich glaube da geht’s mir wie vielen anderen. Ich trinke morgens meinen Tee und gehe dann an meinen Laptop um zu arbeiten. Ich habe noch das Glück, dass ich ab und zu für PR-Sachen aus dem Haus komme, also Fernsehsendungen oder so machen darf, das bringt dann ein bisschen Abwechslung in den Alltag. Aber ansonsten bin ich daheim. Auch unsere Astronauten-Ausbildung, das ganze Training, wird mit Onlinevorlesungen virtuell abgehalten.

 

Die Initiative „Die Astronautin“ soll die erste deutsche Frau auf die ISS bringen. Das ist nicht nur eine Sache der Gleichberechtigung, sondern auch wissenschaftlich bedeutend. Warum? 

Es ist wissenschaftlich wichtig, Frauen im All zu haben. Gerade bei den physiologischen und psychologischen Experimenten die wir derzeit haben, bestehen die Datensätze zu einem überwiegenden Teil aus männlichen Probanden. Das heißt wir haben einfach sehr wenige Daten darüber, wie es dem weiblichen Körper und der weiblichen Psyche im Weltall ergeht und es ist wichtig, da die Parität herzustellen. Man geht oft davon aus, dass der männliche Körper das Maß alles Dinge ist und das nicht nur im All. Ein Beispiel das ich persönlich sehr schockierend fand ist, dass bei Volvo die Crashtest-Dummies als Standard am Mann orientiert waren und deshalb Frauen ein viel höheres Risiko haben, bei einem Unfall schwer verletzt zu werden oder zu sterben. Im Weltraum ist es genauso, denn von der Forschung im All profitiert ja auch die Medizin am Boden. Und obwohl Frauen mehr als fünfzig Prozent der Weltbevölkerung darstellen, kommen diese Erkenntnisse noch immer den Männern ungleich stärker zugute.

 

Was war Ihre persönliche Motivation hinter der Entscheidung sich bei „Die Astronautin“ zu bewerben?

Ich wollte immer schon ins Weltall. Ich wollte Neues erleben, irgendwohin wo vor mir nur sehr wenige waren. Da komme ich auch wieder auf die Motivationsfrage: Ich habe mir eine andere Perspektive gewünscht und die Möglichkeit das, was auf der Erde passiert, aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können. Das ist ja auch der berühmte Overview-Effekt, von dem Astronauten oft berichten. Man kann plötzlich die Erde als einen Planeten wahrnehmen und plötzlich erscheinen die ganzen irdischen Konflikte und Grenzen unwichtig. Das finde ich wahnsinnig spannend.

 

Eigentlich sollte eure Mission 2021 starten, hat sich das durch Corona verändert?

Ja, leider. Wir haben unser Basistraining kürzlich abgeschlossen. Das ist die Grundlage, aber jetzt müssten wir eigentlich ins missionsspezifische Training gehen und da wollen wir in die USA, um mit SpaceX und Boeing trainieren zu können. Im Moment fehlt uns dafür aber leider die Finanzierung und obwohl es vor Corona gut aussah, ist es jetzt sehr viel schwieriger an Geld zu kommen. Unser Plan ist es derzeit also erstmal abzuwarten was nach der Pandemie passiert, denn zurzeit ist es kontraproduktiv bei der Politik oder in der Wirtschaft anzufragen, da die ja ganz andere Probleme haben. Corona ist für uns insofern, wie für viele Andere auch, ein riesiger Rückschlag.

 

„Die Astronautin“ finanziert sich primär durch Spendengelder. Wie viel Prozent Ihres Jobs ist Networking? 

Wir finanzieren uns ja nicht nur durch Spenden, sondern auch durch Auftritte und bezahlte Keynotes. So haben wir es auch geschafft, das Basistraining zu finanzieren. Aber bei dem Flug geht es jetzt um wesentlich höhere Summen, 50 Millionen Euro, das können wir nicht durch Spenden und Vorträge stemmen. Deshalb waren wir im Gespräch mit der Politik und werden das auch in Zukunft wieder sein. Gerade hier wäre das ein wichtiger Schritt, denn Deutschland ist das absolute Schlusslicht wenn es um Frauen im All geht.

Natürlich bieten wir aber auch die Möglichkeit für Firmen uns zu unterstützen. Ob das Pharmazeutische Unternehmen sind, die Experimente im Weltraum machen möchten, oder Firmen, die uns als Markenbotschafterinnen gewinnen wollen.

Die öffentlichen Auftritte sind also ein großer Teil des Jobs, vor allem weil wir „Die Astronautin“ ja auch noch in Teilzeit machen. Die Medienarbeit ist vor allem deshalb wichtig, weil wir es so auch in das politische Bewusstsein schaffen. Je mehr über uns berichtet wird, je mehr gefragt wird „Wieso gab es denn noch keine deutsche Frau im All?“, desto höher sind unsere Chancen.

 

Was war für Sie bis jetzt der spannendste Teil des Trainings? 

Ganz klar der Parabelflug! Wir haben viele spannende Sachen gemacht, wir waren in der Druckkammer, in der Zentrifuge, waren tauchen, haben einen Pilotenschein gemacht, aber für mich war wirklich das Highlight die Parabelflüge. Die Schwerelosigkeit zu erleben. Das war etwas komplett anderes als alles was ich vorher und seitdem gekannt habe – einfach ein geiles Gefühl.

 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten das nächste Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würden Sie drauf machen? 

Das ist vielleicht ein bisschen ein Klischee, aber ich würde tatsächlich die Erde aus dem Weltraum betrachtet drauf machen. Weil das einfach für so viele Sachen stehen kann.

Mir ist beispielsweise auch der Klimaschutz sehr wichtig, ich denke da müssen wir dringend etwas tun, es wird ja immer offensichtlicher, dass wir vor einem riesigen Problem stehen. Da kann so ein Bild auch ein Weckruf sein, wenn man die Erde mit ihrer dünnen, fragilen Atmosphäre sieht.

Aber auch die Symbolik „we are the world“ finde ich bedeutend – es gibt nur eine Erde und vielleicht sollten wir alle mal am selben Strang ziehen, gerade jetzt während Corona. Am Ende sind wir alle Menschen, die überleben und weiterkommen wollen.

Letztlich würde das Bild auch für die Wissenschaften, speziell die Naturwissenschaften stehen. Ich glaube die Wissenschaft ist die Zukunft und gerade jetzt extrem wichtig, weil sie für so viele essentielle Erfindungen verantwortlich ist.

Ein Bild also, dass für mich für drei mir sehr wichtige Dinge steht: Umweltschutz, Gemeinschaft, Wissenschaft. Außerdem ist es natürlich auch optisch ansprechend!

 

Du willst dich mit Suzanna vernetzen? Hier lang.

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