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Kaffeepause mit …

Margarita Fürmann, Co-Founder mivao

Was hat es mit der App Mivao auf sich
Margarita Fürmann ist gemeinsam mit Michael Fürmann und Lisa Abeltshauser Mitgründerin des Startups "mivao": Einer App, die für Unterstützung und Struktur im Alltag sorgen und so zum Beispiel AutistInnen das Leben leichter machen soll.

Mivao entstand aus einer Forschungsgruppe der Hochschule Augsburg und gewann 2020 den Idea Slam bei Augsburg Gründet. Margarita ist studierte Wirtschaftsinformatikerin und arbeitet seit eineinhalb Jahren an der Weiterentwicklung und Ausgründung von Mivao.

Wie trinkst du deinen Kaffee?

Gerne als starken Espresso aus der Siebträgermaschine und zum gemütlichen Frühstück am Wochenende als Cappuccino mit Barista-Hafermilch.

 

Was hilft dir dabei, fokussiert zu bleiben?

Um mich besser fokussieren zu können, hilft es mir sehr die Ablenkungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz zu reduzieren. Ich versuche zum Beispiel unnötige Dinge vom Schreibtisch zu räumen, digitale Benachrichtigungen bewusst abzuschalten und auch mein Smartphone wegzulegen.

Daneben merke ich auch, wie wichtig Ausgleich am Abend und Wochenende ist. Ein Spaziergang in der Natur, meine Katzen streicheln oder eine Yogaeinheit können da wahre Wunder bewirken.

 

Was ist ein Thema, dass dich gerade besonders fasziniert?

Ich beschäftige mich viel mit Nachhaltigkeit und finde es sehr spannend zu sehen, wie dieses Thema mehr an Bedeutung gewinnt und wie viele neue Ideen und Projekte ihren Fokus darauf legen. In den letzten Jahren hat sich einiges im Bereich Nachhaltigkeit getan, beispielsweise Produkte, die explizit auf Plastik verzichten, mehr faire und nachhaltig produzierte Mode oder Lebensmittel, die auf tierische Inhaltsstoffe verzichten und sogar meine Großeltern überzeugen können.

 

Wie entstand die Idee hinter mivao?

Die Idee hinter mivao begann damit, dass ein Vater eines Autisten nach Möglichkeiten suchte, um seinen Sohn im Alltag zu unterstützen. Viele Autist:innen brauchen eine starke Struktur um gut im Alltag zurecht zu kommen. Dabei geht es beispielsweise um die Strukturierung des Tagesablaufs sowie um Schritt-für-Schritt-Anleitungen für bestimmte Abläufe. Dafür werden oft analoge Hilfsmittel eingesetzt, beispielsweise große Papierpläne mit den täglichen Aufgaben. Diese sind jedoch aufwändig zu erstellen und zudem meist unhandlich und nicht mobil.

Der Vater wunderte sich, dass es hierfür keine geeigneten digitalen Hilfsmittel gibt und wandte sich an die Hochschule Augsburg. Dort wurde in mehreren Forschungsarbeiten untersucht, wie Autist:innen durch eine App im Alltag unterstützt werden können. Daraus entstand schließlich mivao.

 

Mivao ist die Fortführung des Projekts Autark der Hochschule Augsburg. Wie war der Prozess vom Forschungsprojekt zum eigenen Startup für euch?

Autark lief mehrere Jahre als Projekt an der Hochschule Augsburg und war als Forschungsprojekt nicht primär darauf ausgelegt eine marktreife App zu entwickeln. Nachdem die Gelder für das Forschungsprojekt aufgebraucht waren, hätte es an der Hochschule nicht fortgeführt werden können. Die Idee wäre dann eingeschlafen, obwohl sie für Autist:innen noch immer relevant ist. Das wollten wir nicht zulassen und haben uns daher entschieden einen Antrag auf das EXIST- Gründerstipendium einzureichen und das Projekt aus der Hochschule auszugründen. Im Frühjahr 2020 haben wir eine Zusage für das Stipendium bekommen und sind im August mit EXIST gestartet. Dadurch können wir nun ein Jahr lang Vollzeit an dem Projekt weiterarbeiten und bekommen auch ein Büro, Coaching sowie ein Budget für Sachmittel gestellt.

 

Wie sehr hat sich die Vision für Mivao im Laufe der Entwicklung verändert?

Während das Projekt an der Hochschule lief, lag der Fokus auf Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Aufgaben. Durch Befragungen und Interviews haben wir jedoch festgestellt, dass vor allem die Tagesstrukturierung für viele Autist:innen relevant ist. Für die erste Version von mivao konzentrieren wir uns daher nun auf die Funktionen zur Tagesstrukturierung und werden die Anleitungen erst später umsetzen.

Außerdem haben wir in den letzten Monaten gesehen, dass ein digitales Hilfsmittel zur Tagesstrukturierung nicht nur für Autist:innen nützlich sein kann. Auch Menschen mit beispielsweise AD(H)S, kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz benötigen oft viel Struktur im Alltag und könnten gut durch mivao unterstützt werden.

Unsere Kernvision, mit unserer App Menschen zu unterstützen und ihnen zu ermöglichen ihren Alltag optimal zu strukturieren, hat sich aber von Anfang an nicht geändert.

 

Wann habt ihr vor, eure App auf den Markt zu bringen?

Wir planen die App im Sommer 2021 auf den Markt zu bringen. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Wir feilen gerade an den Interaktionskonzepten und dem konkreten Aussehen für App und Webapplikation. Dafür führen wir demnächst Usability-Tests mit unserer Zielgruppe durch und arbeiten parallel bereits an der Programmierung der Anwendung.

 

Hattest du schon immer vor, einmal selbst zu gründen? Was war für dich der schwierigste Schritt in dem ganzen Prozess?

Während meines Studiums habe ich öfter mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen und wollte auch gerne etwas eigenes entwickeln. Dazu fehlte aber lange Zeit die passende Idee. Die Möglichkeit das Projekt Autark auszugründen, brachte den Stein dann ins Rollen. Eine der größten Hürden war für mich, bewusst den Schritt in die Unsicherheit einer Gründung zu machen. Meine Begeisterung für das Projekt und die Möglichkeit etwas wirklich Sinnvolles zu schaffen haben für mich aber überwogen.

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würdest du drauf machen?

Ich finde es schade, dass Cover von Zeitschriften meist von weißen Männern und Frauen dominiert werden, die dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen. Daher würde ich gerne zeigen, wie schön vielfältig Menschen sind.

Das Cover würde ich mit Fotos von Menschen aus der ganzen Welt gestalten, beispielsweise Menschen unterschiedlicher Geschlechter, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und auch Menschen mit und ohne Behinderung. Ein Cover ist natürlich viel zu klein, um die Vielfalt auch nur ansatzweise abzubilden, aber vielleicht kann es doch zeigen, dass Menschen so viel mehr sind, als das was uns auf den üblichen Covern suggeriert wird.

 

 

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