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Kaffeepause mit …

Ankerkraut-Gründer Stefan Lemcke

Vom Online-Business zum großem Unternehmen.
Zunächst als reines Online-Business gründete Stefan Lemcke das Gewürz-Startup "Ankerkraut" neben seinem eigentlichen Job im Marketing. Bald wurde es zur Haupttätigkeit und 2013 stieg auch seine Ehefrau, Anne Lemcke, mit ein. Seitdem verkaufen die beiden hochwertige Gewürze und ausgefallene Mischungen und sind damit mittlerweile in rund 5.500 Geschäften in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Dänemark, Schweden und der Niederlande vertreten. Wir haben uns mit dem Gründer über Familie, Verantwortung und den Teil-Exit unterhalten.

Wie trinkst du deinen Kaffee?

Ich bin ein Hardcore-Espresso-Trinker und bevorzuge auch ansonsten schwarzen Kaffee. Ich habe in Afrika mal frisch „gezapfte“ Milch einer Steppenkuh getrunken und mag seitdem keine Milch mehr.

 

Was ist ein Thema, das dich gerade besonders fasziniert?

Ich bin total verrückt nach Aktien. Ich lese viel dazu, schaue mir Unternehmen und Geschäftsmodelle an und kaufe und verkaufe dann Aktien oder ETFs. Anne beschäftigt sich mit der Einrichtung unseres Büros und unseres Hauses – Anne und Inneneinrichtung: Eine ewig anhaltende Liebe!

 

 Was ist deine persönliche Lieblingsgewürzmischung im Sortiment?

„Dalmatiner Rub“, das ist eine ganz einfache Mischung aus Salz, Pfeffer, Knoblauch und Zwiebel und ist für mich ein Universal-Gewürz, das wirklich zu allem perfekt passt (außer zu süßen Dingen). Anne liebt unsere „Pilzpfanne“, die ist super einfach zu benutzen: Zwiebel in Olivenöl anbraten, Pilze, Sahne und Gewürz dazu: Fertig!

 

Wenn man an den „Klischee-Gründer“ denkt, dann stellt man sich jemanden vor, der mit vielen Träumen frisch von der Uni kommt. Als du die Idee zu Ankerkraut hattest, wart ihr eigentlich mitten in der Familienplanung mit dem zweiten Kind auf dem Weg. Glaubst du, diese Situation hat es euch schwerer gemacht?

Nein, leichter! Es hat uns fokussierter und ruhiger gemacht. Da wir Verantwortung für unsere Kinder haben, konnten wir es uns nicht erlauben, viele Risiken einzugehen. Der einzige wirkliche Nachteil war, dass ich wenig von den ersten Jahren der Kinder gesehen habe. Das tut mir sehr leid und das hole ich heute nach.

 

Was sollte man nicht erwarten, wenn man ein Startup gründet?

Dass die Welt auf einen gewartet hat. Keiner interessiert sich für dich, das ist leider die bittere Realität. Keiner wird von sich aus auf dich zukommen, außer er will dir etwas verkaufen. Du wirst hart arbeiten müssen, du wirst verzweifeln, du wirst hinfallen und wieder aufstehen. Aber: Mach immer weiter, irgendwann wendet sich das Blatt.

 

Wie war das Corona-Jahr 2020 für euch? Und wie soll es 2021 weitergehen?

Corona hat uns, im Gegenteil zu vielen anderen Firmen, zum Glück nicht wehgetan. Dadurch, dass alle Restaurants viel geschlossen hatten, haben die Leute mehr selbst gekocht und dazu braucht man Gewürze – die haben sie dann bei uns gekauft. 2021 wird für Ankerkraut etwas erwachsener: Wir bauen eine eigene Produktion und Logistik auf 10.000 qm, stellen viele neue Kolleg*innen ein und wollen speziell im Marketing richtig aufrüsten.

 

Vor einigen Monaten ist der französische Beteiligungsgesellschaft EMZ bei euch eingestiegen. Was war die Motivation hinter dem Teil-Exit?

Durch den zeitlich nah zusammenhängenden Tod meiner beiden Eltern habe ich schmerzvoll lernen müssen, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. Anne und ich sind dann zum Ergebnis gekommen, dass arbeiten nicht alles ist, dass wir gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen wollen und dass wir etwas Geld auf die Seite legen müssen, damit die Kinder abgesichert sind. Außerdem ist es sinnvoll, Risiko auf vielen Schultern zu verteilen. Dies erreicht man, indem man sich Know-how mit an den Tisch holt, was im Falle von EMZ ein Treffer ins Schwarze war.

 

Würdest du deinen Weg mit Ankerkraut – von der Gründung bis heute – genau so nochmal gehen? Oder würdest du etwas ändern?

Ich würde viel früher externes Kapital aufnehmen und mich viel früher mit genialen Kolleg*innen umgeben: Wir haben so tolle Leute, die manche Sachen so viel besser können als ich. Das hätte unsere Reise um ein Vielfaches erleichtert. Trotzdem war es eine super Zeit, an der ich sehr gewachsen bin und ich möchte sie nicht missen. Also: Eigentlich hätte ich fast alles wieder genauso gemacht.

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würdest du drauf machen?

Ich würde ein Bild entwerfen, das vor der Klimakatastrophe warnt und die Themen fossile Brennstoffe, CO2 und Energiewende aufgreift.

 

Du willst dich mit Stefan vernetzen? Hier lang.

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